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Musaceae

Habe mir gerade einen Liter Bananenmilch zubereitet. Bananenmilch ist nämlich eine tolle Sache. Und außerdem muss ich die Früchte ja verarbeiten bevor sie in andere Aggregatzustände übergehen oder sich in ihrer generellen Flauschigkeit verändern.
Mein Vater erzählt ja gerne wie gelungen die Natur die Bananen verpackt hat. Für die Natur ist das vielleicht nicht schlecht, aber mein Vater kommt halt auch aus einer Zeit wo Haltbarkeitsdaten durch Tiefkühlung und Vakuumsverpackung jenseits der eigenen Lebenserwartung noch nicht Standard waren. Und vollwertige Mahlzeiten die nach drei Wochen im Kühlschrank und einer Minute in der Mikrowelle in einer Perfektion vor einem stehen, die das gesamte Kantinenpersonal erblassen lassen, waren damals auch noch nicht Stand der Technik. Während die Gasherd nutzende Küchenexpertin Mikrowellen nur dafür nutzt sich per Handy ihren Kontostand zu verringern benutzt ein echter Mann diese glorreichen Funkwellen um sich eine schnelle und unkomplizierte Nahrungsaufnahme zu ermöglichen (und die ungenutzten Herdplatten lassen sich auch als Zwischenlager für Pizzakartons nutzen).
Ob ich das Bananenexperiment wiederholen werde wird sich später erweisen. Nämlich dann wenn sich rausstellt ob der Mixbecher in die Spülmaschine passt oder bei diesem küchendarwinistischem Test durchfällt.

Ja, es hat sich einiges geändert seit der Hochschülerzeit. Damals, in präspülmaschinischen, dunklen, untertechnisierten Zeiten war ich noch gezwungen von Papiertellern zu Essen.

15.9.09 21:47


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Parteien

Gestern habe ich keine Kosten und Mühen gescheut um das große Fernsehduell unserer Politikgiganten zu bestaunen. Neugierig geworden von den Artikeln die zwanzig Millionen Zuschauer vorhersagten richtete ich extra eine Antenne aus um dieses Ereignis mitzuerleben. Diesmal waren da ja nicht nur ein Kanzler und ein Möchtegern zu bestaunen, sondern zwei erfolgreiche Politiker die mit ruhiger Hand Deutschland durch das raue Klima der Weltwirtschaft gesteuert haben und seit vier Jahren diesem Land ihren glänzenden Stempel aufprägen.

Was bleibt einem im Nachhinein zu sagen als, dass die heiße Phase des Wahlkampfes endlich begonnen hat. Man spürt, es liegt etwas in der Luft. Politisch bewegte Menschen jeder Altersklasse bleiben auf der Straße stehen und diskutieren mit Interesse und Leidenschaft die Lage der Nation. Kaum eine Bäckerei, ein Cafe, eine Eckkneipe oder ein öffentliches Urinal an dem nicht Politik und die Zukunft des Landes im Allgemeinen und die anstehende Wahl im Besonderen diskutiert werden. Jede noch so unauffällige Ungereimtheit im Parteiprogramm der kleinsten Partei, jedes vermeintlich unentdeckte Juwel eines visionären Ausspruchs in einer Politikerrede eines chancenlosen Direktkandidaten wird vor Freunden, Bekannten und Arbeitskollegen ausgebreitet und vorgeführt um sodann ausführlich kommentiert und bewertet ja gleichsam seziert zu werden. Kein solches Gespräch aus dem man nicht das Gefühl hat ein wenig geistig gestärkt hervorgegangen zu sein. Jeder spürt, da kommt was Bedeutendes auf uns zu. Und während die etwas gespürloseren unter den Geschäftsleuten für das kommende Weihnachtsfest halten und anfangen Adventskalender in die Regale zu füllen weiß der Rest der Subprimekrisenerfahrenen Bevölkerung, dass es doch einzig und allein um unsere Zukunft, unsere Legislaturperiode, unseren Bundestag geht.

Ich muss gestehen, dass ich diesem Treiben etwas ratlos gegenüberstehe. Natürlich werde ich meine staatsbürgerlichen Pflichten wahrnehmen und Wählen gehen, das steht vollkommen außer Frage. Allein, zur politischen Diskussion weiß ich wenig beizutragen. Umso größer der Neid auf diese Lichtgestalten der deutschen Politik. Führungspersönlichkeiten die sich um die höchsten Ämter der Exportrekordnation Deutschland bemühen. Wer bin ich schon neben einem Gysi, einem Steinmeier, einer Monika Gärtner-Engel. Ganz schnell verblasst das eigene Ich wenn auch nur die Spitze eines Schattens dieser Lichtgestalten neben einem erscheint.

Darum mein kühner Entschluss, mangels Jugend nicht durch selbigen Leichtsinn zu entschuldigen: Ich werde eine eigene Partei gründen! Auch ich will ein paar Brosamen der allgemeinen Anerkennung unseres politikbegeisterten Volkes! Vielleicht schafft es ein Zitat aus meinem Parteiprogramm ja mal auf ein Handylogo. Was wäre das für ein Triumph auf dem Mobilen Telekommunikationsuniversalgerät eines Gymnasiasten, irgendwo oberhalb von unbedeckten Brüsten des Playmatelogos des Monats meine Worte zu erblicken! Eine Botschaft an die Welt die meinem Geiste entsprungen!

Naja, um es kurz zu machen: Ich hab mir vorgenommen eine Partei mit viel Profil zu gründen. Ich will keine Jasager als Wähler sondern selbstbewusste Mitbürger. Hier schon mal die Grundsteine auf denen ich meine zukünftige Partei aufbauen will:

 

Ausbau der deutschen Verkehrswege

Förderung der deutschen Landwirtschaft

Unterstützung der Entwicklungsländer durch fairen Handel

Präventive Verbrechensbekämpfung

Keine deutschen Soldaten in lebensgefährliche Situationen bringen

Keine Geschäfte mit undemokratischen Ländern

Internationale Verantwortung übernehmen

Mehr Geld für den Umweltschutz und Vergrößerung der Naturschutzgebiete

Mehr direkte Demokratie

Flächendeckende Kinderbetreuungsmöglichkeiten

Stabile Energiepreise für eine wettbewerbsfähige Wirtschaft

Besserer Schutz von Minderheiten

Keine neuen Kohlekraftwerke und abschalten der schmutzigsten zur Reduzierung des Treibhausgases CO2

Sichere Renten mit einer nachhaltigen Steigerung der Rentensätze

Klare Strukturen und Kompetenzen für einen handlungsfähigen Staat

Keine atomaren Endlagerstätten gegen den Willen des jeweiligen Bundeslandes

Gleichstellung von gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften

Mehr Mittel zur Integration von Ausländern

Stärkung des Wirtschaftsstandortes Deutschland

Keine neuen Atomkraftwerke und abschalten der bisherigen

Garantierte Ausbildungsplätze für Azubis

Ein Rentenzielalter von 63 Jahren

Förderung der Familien

Abschaffung der Studiengebühren

Senkung des Anstiegs der Neuverschuldung

Keinen staatlichen Eingriff in die Privatsphäre der Bürger

Bekämpfung der Arbeitslosigkeit

Ein schlanker Staat mit effizienter Verwaltung

Vollzeitjobs müssen einen Lohn erbringen der ein Leben über der Armutsgrenze ermöglicht

 

Ich denke das sind zum Teil revolutionär neue Ansätze und ich habe nicht vor irgendwo Abstriche zu machen. Ein paar Punkte müssen sicher noch ergänzt werden, allerdings bin ich inzwischen davon abgekommen das ganze auf 95 Thesen zu erweitern (auch wegen den darin im Hintergrund mitschwingenden religiösen Konflikten zwischen Reformierten und Gegenreformierten).

 

Ach ja, ein wichtiger Punkt fehlt oben noch:

Ein umfassendes Ausweiten der Krebsforschung

Es ist ein nicht hinnehmbares Skandal, dass man heutzutage in einem Land wie Deutschland immer noch an Krebs sterben kann!

14.9.09 21:15


Wasserspiele

Alles ist im Fluss. Zum Beispiel die Leichen der Feinde, die dort vorbeischwimmen wenn man nur lange genug wartet. Hat zumindest mal wer behauptet (wohl zu einer Zeit wo das mit den Leichen im Fluss noch üblicher war).


Aber auch die Zeit fließt dahin. Grade noch Silvester, gute Vorsätze und alles (fleißig Sport machen, schreiben, Spaß haben) und schwups ist schon März und die guten Vorsätze sind immer noch das gleiche (Pflastersteine auf dem Weg nach unten).
Dann gibt es da noch den Koffeinfluss, dass was im Büroalltag zu den Grundnahrungsmitteln zählt. Seit diesem Jahr steht auch in meiner Wohnung eine Kaffeemaschine.

Um den Luxus noch weiter auszubauen habe ich mir sogar eine Spülmaschine zugelegt. So eine kleine Tischspülmaschine die ich unter meine Spüle gebastelt habe. Dummerweise musste ich bei dieser Gelegenheit feststellen, dass ich keinen Anschluss für eine Spülmaschine habe. Kein Problem, nach nur zwei brüderlichen Telefonberatungen, zwei Obi-Besuchen (erster Verkäufer "Gibt es nicht. Da müssen sie den Hahn in der Wand auswechseln." zweiter Verkäufer: "Schrauben sie das dran") und ein paar Fluchen und Verrenkungen hatte ich die Maschine tatsächlich an das örtliche Trinkwasserleitungsnetz und die dazugehörige Abwasserabflussleitung angeschlossen. Und dabei ist nur ganz wenig Wasser ausgetreten.


Mit meinen derart bestätigten Eigenschaften als Wasserbauspezialist machte ich mich zeitnah an das nächste Vorhaben: Ein Computer mit Wasserkühlung!
Genauer gesagt ein Haufen von Einzelkomponenten die alle auf Geräuscharmut getrimmt waren sowie ein Wasserkühler für die Grafikkarte (Internetkommentar zum Originalkühler: Klingt wie ein Handstaubsauger).
Bei der Auswahl der Computerkomponenten fiel mir die Entscheidung noch halbwegs leicht. Aber der Wasserteil war für mich neues Land.
Was macht man wenn man keine Ahnung hat? Richtig! Google (Gelbe Seiten sind zu teuer)
Nach einer mehrstündigen Suche mit geringfügigen Abschweifungen vom Thema (spanischer Erbfolgekrieg, künstliche Aromastoffe) war ein schickes Komplettsystem gefunden. So ein Komplettsystem hat den Vorteil der... öhm... Komplettität auf seiner Seite. Bestellt, geliefert, aufgebaut, und schon lief der erste Test.
Dummerweise lief bei diesem Test nicht alles Wasser innerhalb des Kühlkreislaufs. Nach ein paar Stunden musste ich feststellen, dass der Kühlturm wohl nicht ganz dicht war. So was kann einem echt die Laune vermiesen.


Klar, da kamen nur ein paar Tropfen raus, aber ich kann ja nicht an meine Hochleistungsmaschine einen Kühler anschließen der gerade mal die Anforderungen eines Ostblockstaates vor dem Fall des eisernen Vorhangs erfüllt. Das muss besser gehen!
Also, Rat eingeholt.
Was macht man wenn man Computerprobleme hat? Man fragt einen Computerexperten aus der Bekanntschaft (sofern man die noch nicht alle verschreckt hat)!
Nach einer erhellenden Unterhaltung wurde das Kühlsystem völlig umgekrempelt: Statt nur die Grafikkarte sollte jetzt auch der Prozessor und das Mainboard gekühlt werden und statt einem billigen Komplettset kamen qualitative Einzelkomponenten zum Zug. Ganz oder gar nicht!
Ein paar Stunden und einen nicht ganz unerheblichen Eurobetrag später war alles bestellt.
Auch diesmal: Schnelle Lieferung.


Ich glaube an diesem Punkt muss ich mal kurz auf eine große Errungenschaft der modernen Welt eingehen: Die SI-Einheiten (~ System International). Dieses glorreiche Einheitensystem was praktisch auf der ganzen Welt anerkannt ist hat uns so wunderschöne Einheiten wie Meter, Kilogramm und Sekunde gebracht. Zugegeben, ein Kilogramm so für sich allein betrachtet hat im Vergleich zu einer, sagen wir Orchidee eine recht zweifelhafte Attraktivität. Wenn man allerdings zu den Anfängen der Festlegung von Einheiten zurückschaut, so muss man feststellen, dass es allein im deutschsprachigen Raum dutzende unterschiedliche Längenangaben gab. Ein noch recht bekanntes Beispiel ist die Meile, die je nach Land und Anwendung irgendwo zwischen 1,5 und 7,5 km liegt (wenn da ein Grundbesitzer ein paar Quadratmeilen Land verkauft hat lohnte sich also ein gründliches Studium des Kleingedruckten).
Heutzutage bleibt uns das Umrechnen von wiener Ellen in sächsische Füße erspart, da ja die gesamte entwickelte Welt (mit Ausnahme der USA) ein einheitliches System benutzt. Aus einem unbegreiflichen Grund ist allerdings bei Rohrleitungen (und Bildschirmen) immer noch die Zollangabe üblich. Ärgerlich! Vor allem wenn man vor einer Wasserpumpe sitzt, die einen 1/2 Zoll Zuflussstutzen hat der genauso wenig auf den 1/4 Zoll Schlauchanschluss passt wie der 1/4 Zoll Anschluss auf den 1/8 Zoll Ausgleichbehälter. Zu zusätzlicher Verwirrung führen dann die doppelten mm Angaben der Schläuche (Außen und Innendurchmesser) sowie die tatsächlich nachgemessenen Werte. Um es kurz zu machen: Ich musste ein paar Teile nachbestellen.


Nächste Lieferung, nächster Abholschein, zurechtgeschnitten, geschraubt, gebaut, gebastelt, festgestellt, dass Schläuche in der zugeschnittenen Länge abknicken, wieder abgeschraubt, abgeschnitten, neu zusammengesetzt, festgestellt, dass der elektrische Anschluss zu kurz ist, neues Kabel gekauft, festgestellt, dass der Kühler elektrischen Anschlüssen im Weg ist, mit viel Geduld alles nochmal neu verkabelt, fest gestellt, dass der Wasseraustritt für das Gehäuse etwas zu weit links ist, mit roher Gewalt ein neues Loch in das Gehäuse gebrochen... und schon war das Ding betriebsbereit! Wie man doch mit ein paar kleinen Handgriffen aus einem Haufen Komponenten einen schicken Computer zusammenbauen kann! Und da gibt es doch tatsächlich noch Leute die sich mit Komplettsystemen abspeisen lassen...
Die Pumpe lief ein bisschen stockend, aber der Wasserkreislauf sah gut aus.
Eine leichte Eintrübung der Laune ergab sich nach dem Anschluss eines Bildschirms an den Computer der leider sehr unfarbig blieb (schwarz). An und für sich habe ich ja nichts gegen schwarz, aber in diesem Fall habe ich doch (*pling*) schwarz gesehen...
Ein paar Experimente später (Grafikkarte in anderen Slot schieben, analogen Ausgang ausprobieren, rechten Ausgang, linken Ausgang, zurück in den alten Slot, Neustart, Kühler abbauen und wieder aufbauen, andere Grafikkarte anschließen (funktioniert), Lüfter an Karte anschließen, eine schwarze Schokolade über dem Computer opfern [Hühner waren gerade nicht verfügbar]) habe ich dann eine taktische Pause eingelegt um die Situation neu zu überdenken.
Gehen sie zurück auf LOS, streichen sie keine traumhafte 3D-Leistung ein, machen sie sich auf weiteren Frust gefasst!

10.3.09 22:32


Kommerz, Kapitalismus und andere Katastrophen

Wir leben in einer kapitalistischen Welt. Wo man auch hinschaut versucht jemand, einen dazu zu bringen Geld auszugeben. Im Zweifelsfall für Sachen, deren unschätzbarer Wert einem erst durch unendlich viel Werbung eingetrichtert werden muss. Und wenn man von der Verkaufssendung für ein japanisches Küchensamuraimesserset (schneidet gleichermaßen Gartenschläuche, Stahlleisten und Fischfilet) zu 9live weitergeklickt hat schweifen die Gedanken doch hin und wieder in die goldene Vergangenheit, als der Gestank von Kuhmist noch die einzige Werbung für Milchprodukte war (und ein 9live Moderator noch guter Kandidat für den Scheiterhaufen)...

Auf meinem Weg in die Vergangenheit will ich mit einer traurigen Geschichte einer Verwandten beginnen. Eine Vorfahrin väterlicherseits. Als sie im Jahr 20.377 v. Christus an einem Morgen zu dieser Jahreszeit in ihrem Unterstand aufwachte, musste sie feststellen, dass auf dem Fell neben ihr nicht der gewohnte Mann lag. Nach einer sehr lautstarken Unterhaltung die mit allen zur Verfügung stehenden Hilfsmitteln geführt wurde klärte sich der Sachverhalt: Ihr Mann hatte sie für einen Bogen, vierzig Pfeile und ein paar Kilo Wildschwein an den (bislang) Unbekannten verkauft. Ob die überlieferte gute Qualität des Bogens diese Handlungsweise weniger verwerflich macht mag von jedem für sich selbst beantwortet werden.

Um von der familiären Geschichte wieder in die der Schulbücher zurückzukehren will ich noch einen kurzen Ausflug in das Wesen der deutschen Feuerwehr machen. Über 90% der aktiven Feuerwehrler besteht aus Freiwilligen. Freiwillige sind allgemein überall dort gern gesehen wo nicht genug Profit gemacht wird um ein normales Gehalt zu bezahlen. Eine Feuerwehr ist nicht gerade eine Gelddruckmaschine. Die Römer haben das in ihren besten Zeiten freilich anders gesehen. Was etwas kostet muss auch etwas ausspucken. Und so warteten die Privatfeuerwehren mit den Löscharbeiten bis sie entsprechend bezahlt wurden. Im Zweifelsfall mit einem Teil des Hauses, was sich bei Nichtbezahlung drastisch im Wert verminderte. Feuer waren dieser Tage in Rom häufiger auf der Tagesordnung. Vor allem in Gebieten wo die Grundstücksmakler gerne frischen Baugrund gehabt hätten.
Über die Römer ließe sich noch viel erzählen, allerdings haben das so viele andere vor mir gemacht, dass ich lieber auf bessere Schriftsteller verweise (die römischen Zöllner haben es sogar bis in den Bestseller einer Weltreligion geschafft)

Die Römer hatten ein paar gute und viele schlechte Kaiser. Dennoch hat sich diese Imperatoridee bis ins 20te Jahrhundert gehalten. Einer dieser Anhänger des universellen Kaisertums war Karl V. Sein offizieller Titel lautete ungefähr so:
Römisch-deutscher König, Erwählter Römischer Kaiser, Mehrer des Reiches, König von Spanien, Sizilien, Jerusalem, der Balearen, der kanarischen und indianischen Inseln sowie des Festlandes jenseits des Ozeans, Erzherzog von Österreich, Herzog von Burgund, Brabant, Steier, Kärnten, Krain, Luxemburg, Limburg, Athen und Neopatria, Graf von Habsburg, Flandern, Tirol, in Schwaben, Herr in Asien und Afrika.
Die meisten dieser Titel hat er geerbt. Aber der "erwählte Kaiser"? Der wurde ihm von einer Familie Fugger gekauft, die ihm das nötige Bestechungsgeld verschaffte. Ich schätze sie hätten den Titel "Gläubiger des Verteidiger des Glaubens" für sich beanspruchen können.

Ein Bündnis von Handelsstädten war im Mittelalter die Hanse. Dass diese Organisation auch an kriegerischen Auseinandersetzungen beteiligt war kann man noch in deutschen Geschichtsbüchern finden.
Wenig findet man dort über eine andere beeindruckende Persönlichkeit, den niederländisch-belgisch-schwedischen Kanonenkönig Louis de Geer. Als während dem dreißigjährigen Krieg Schweden und Dänemark aneinander gerieten war das äußerst ungünstig für seine Handelsrouten, die doch durch den dänisch kontrollierten Sund führten. Da die Niederlande ihm bei diesem Problem nicht helfen wollten rüstete er kurzerhand selber eine Flotte aus mit der er dann die lästigen Dänen zu mehr Toleranz gegenüber schwedischen Handelsschiffen bewegen konnte.

Auch die Amerikaner haben neben Plantagen- und Sklavenbesitzern einige faszinierende Persönlichkeiten hervorgebracht. Eine davon: John Davison Rockefeller. Mit Fleiß und Verstand verdiente er innerhalb kurzer Zeit ein kleines Vermögen mit dem er schließlich ins Ölgeschäft einstieg. Sein gut geführtes Unternehmen zeigte den Amerikanern bald was 'Marktmacht' bedeutet. Bei der Verwirklichung seines Zieles alle Raffinerien und Ölpipelines unter seine Kontrolle zu bekommen wurden kleine Konkurrenten für 40% ihres Wertes gekauft. Seine Konkurrenten und Handelspartner waren gezwungen sich einige philosophische Fragen zu stellen: Was ist ein Liter Öl wert, wenn du niemanden hast der ihn dir zum Kunden transportiert? Was ist eine Raffinerie wert, wenn dein Konkurrent die gleiche Leistung für die Hälfte anbietet bis du pleite bist? Was ist dein Unternehmen wert, wenn du John Davison Rockefeller zum Gegner hast?

Um den vorher genannten kein Unrecht zu tun will ich natürlich nicht die positiven Taten unterschlagen: Das Vermächtnis der Fugger kann man in der Fuggerei in Augsburg bewundern, der Name "Rockefeller" ist in etlichen Stiftungen zu finden, die römische Oberschicht hat zumindest die Bürger der Stadt mit Brot&Spielen versorgt und durch die Waffen von Louis de Geer wurden sicher auch viele böse Menschen umgebracht.

Werbung gab es in früheren Zeiten etwas weniger. Zahlungskräftige Kunden auch. Womit ich mich dann auch wieder von der Vergangenheit ab- und meinem Leben zuwenden möchte.

19.8.08 07:32


Nachbarschaft

Es ist mal wieder Krieg in Europa. Und während sich die Politiker fragen was sie tun sollen und wie sich ihre Taten und Nichttaten am besten erklären lassen, stellen sich andere Bürger die Frage nach der Schuld.
Wer sind die Guten, wer die Bösen? Wer hat provoziert? Wer hat angefangen? Wie groß sind die Rechte eines Staates auf ein Gebiet was er vor über 80 Jahren das letzte Mal souverän regiert hat?

Während man nach Antworten auf diese Fragen sucht kann man schon mal ein paar Feststellungen treffen.
Es gibt ethnische Säuberungen. Es sterben Zivilisten. Das Stück Land um das es geht ist weder besonders groß noch reich an Bodenschätzen. Laut Wiki liegt die Arbeitslosigkeit bei 40-60% und eine der wichtigsten Einnahmequellen ist Schmuggel.
Kein schöner Ort zum Leben im Moment.

Bei uns wird gern von Verantwortung gesprochen die sich aus der Vergangenheit ergibt.
Falls jemand von unseren Führungskräften sich jetzt darauf beruft (statt den Konflikt auszusitzen) sollte man sich bewusst sein, dass unsere Verantwortung den Bewohnern und Vertriebenen gilt und nicht unseren Gaslieferanten oder unseren ehemaligen Schutzmächten.
13.8.08 07:17


Zeit&Mangel

So... da hatte ich mir doch grad vorgenommen meine Mitwelt mit regelmäßigeren Beiträgen zu beglücken und dann das...
Naja, ich habe noch keine verzweifelten E-Mails erhalten von intellektuell unterernährten Menschen die meine Beiträge schmerzlich vermisst hätten.
Aber was das schlimmste ist: Heute Abend wird auch kein fundierter, rotgefädelter Artikel mehr entstehen. Passiert.


Zu meiner Verteidigung darf ich anmerken, dass ich in letzter Zeit selten online war. Ich hab die letzten zwei Wochen in fünf verschiedenen Hotelzimmern übernachtet, hab das badische Brauhaus besser und 6 Lokale neu kennen gelernt und war zum zweiten Mal in meinem Leben in Frankreich. Ich hab einmal den Waschsalon mit schmutziger Wäsche verlassen (13 von 14 Maschinen belegt, eine kaputt) und einmal mit sauberer Wäsche (14 von 14 Maschinen frei, eine immer noch kaputt). Ich habe wenig geschlafen und viel Kaffee getrunken und ich habe neue Sachen über Computernetzwerke gelernt die eigentlich nicht neu für mich sein sollten und die ich eigentlich schon mal gelernt haben müsste. Vor allem habe ich festgestellt, dass die nächste Woche zu kurz sein wird. So ca. 144 Schaltstunden wären definitiv hilfreich um noch ein paar Sachen zu klären bevor ich wieder mein Zimmer wechsle.

(um diese im höchsten Grade alberne Idee noch mal auszubauen: Das schalten von Schaltstunden wird ja zu Gunsten von Schalttagen nicht gemacht. Aber das hin und her schalten zwischen Sommerzeit und Normalzeit ist weit verbreitet. In Zeiten die noch seltsamer waren als unsere gab es sogar eine Hochsommerzeit. Dementsprechend könnte man ja auch in die andere Richtung schalten. Bei einer vorgezogenen Umstellung auf Normalzeit würde ich eine Stunde gewinnen. Für zwei Stunden bräuchte ich schon Winterzeit. Drei Stunden -> Tiefwinterzeit. Minuskelvinhöllischplutoschattenseitenarktisisteinhochofendagegensupertiefwinterzeit sollte dann für etwa 24 Stunden gut sein, da muss man dann nicht mal die Uhr verstellen, nur den Kalender um einen Tag zurückdrehen.)

27.7.08 23:06


Richtigstellung

Nachdem die letzte Woche beitragsmäßig etwas lau verlaufen ist, muss ich jetzt langsam wieder anfangen, was für meinen Beitragsschnitt zu tun.
Als allererstes bin ich wohl zu einer Richtigstellung verpflichtet:

 


Am Mittwoch dem 25.06.2007 veröffentlichte ich an dieser Stelle einen Beitrag, in dem ich einigen Spielern der deutschen Fußballnationalmannschaft der Herren eine "Geburt unter der Sichelflagge" zusprach. Dies war eine Anspielung auf die inzwischen aufgelöste DDR, die Allerdings in ihrer Flagge keine Sichel sondern Hammer und Zirkel auf schwarz-rot-gold abbildet. Sollte durch diesen Beitrag der Eindruck entstanden sein, ich vermutete in den Kreissälen des ehemaligen deutschen Nachbarlandes eine durchgängige sowjetische Beflaggung, so ist das falsch. Auch eine sonstige sichelhaltige Beflaggung (z.B. die österreichische Bundesdienstflagge) wurde von mir nicht vorausgesetzt. Die Erwähnung einer Sichel in meinem Text ist an dieser Stelle ebenfalls nicht als Anspielung auf eine grobe Spielart unserer Fußballnationalmannschaft zu verstehen.

Ich stelle hiermit richtig, dass die erwähnte "Sichelflagge" auf einen einfachen Irrtum meinerseits zurückgeht. Falls sie den Text, unter Beachtung aller nationaler und internationaler Regelungen bzgl. Kopierschutz, an anderer Stelle zitieren, ersetzen sie bitte das Wort "Sichelflagge" durch "Zirkelflagge"


So.. nachdem das mit der Confed-Cup Qualifikation für Deutschland nichts geworden ist wünsche ich dem Team viel Glück im nächsten Pflichtspiel (WM-Qualifikation). Auf dem Papier mag Liechtenstein vielleicht nicht groß aussehen (bzw. auf Google-Earth) aber jeder weiß ja, dass es heute keine Kleinen mehr gibt. Auch wenn der FC Bayern 4x so viele Mitglieder hat wie das Land Einwohner: Gegen den Bevölkerungsgoliath Luxemburg hat Liechtenstein schon beeindruckende Siege erzielen können! (Der Vergleich mit dem FC Bayern als einem der größten Sportvereine der Welt war natürlich auch unfair. Liechtenstein hat nahezu doppelt so viele Einwohner wie der TSV 1860 München Mitglieder hat. Und selbst die männlichen Einwohner übertreffen die für ein Fußballspiel benötigten 11 Spieler um einen Faktor 1000+)

8.7.08 23:44


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