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Kommerz, Kapitalismus und andere Katastrophen

Wir leben in einer kapitalistischen Welt. Wo man auch hinschaut versucht jemand, einen dazu zu bringen Geld auszugeben. Im Zweifelsfall für Sachen, deren unschätzbarer Wert einem erst durch unendlich viel Werbung eingetrichtert werden muss. Und wenn man von der Verkaufssendung für ein japanisches Küchensamuraimesserset (schneidet gleichermaßen Gartenschläuche, Stahlleisten und Fischfilet) zu 9live weitergeklickt hat schweifen die Gedanken doch hin und wieder in die goldene Vergangenheit, als der Gestank von Kuhmist noch die einzige Werbung für Milchprodukte war (und ein 9live Moderator noch guter Kandidat für den Scheiterhaufen)...

Auf meinem Weg in die Vergangenheit will ich mit einer traurigen Geschichte einer Verwandten beginnen. Eine Vorfahrin väterlicherseits. Als sie im Jahr 20.377 v. Christus an einem Morgen zu dieser Jahreszeit in ihrem Unterstand aufwachte, musste sie feststellen, dass auf dem Fell neben ihr nicht der gewohnte Mann lag. Nach einer sehr lautstarken Unterhaltung die mit allen zur Verfügung stehenden Hilfsmitteln geführt wurde klärte sich der Sachverhalt: Ihr Mann hatte sie für einen Bogen, vierzig Pfeile und ein paar Kilo Wildschwein an den (bislang) Unbekannten verkauft. Ob die überlieferte gute Qualität des Bogens diese Handlungsweise weniger verwerflich macht mag von jedem für sich selbst beantwortet werden.

Um von der familiären Geschichte wieder in die der Schulbücher zurückzukehren will ich noch einen kurzen Ausflug in das Wesen der deutschen Feuerwehr machen. Über 90% der aktiven Feuerwehrler besteht aus Freiwilligen. Freiwillige sind allgemein überall dort gern gesehen wo nicht genug Profit gemacht wird um ein normales Gehalt zu bezahlen. Eine Feuerwehr ist nicht gerade eine Gelddruckmaschine. Die Römer haben das in ihren besten Zeiten freilich anders gesehen. Was etwas kostet muss auch etwas ausspucken. Und so warteten die Privatfeuerwehren mit den Löscharbeiten bis sie entsprechend bezahlt wurden. Im Zweifelsfall mit einem Teil des Hauses, was sich bei Nichtbezahlung drastisch im Wert verminderte. Feuer waren dieser Tage in Rom häufiger auf der Tagesordnung. Vor allem in Gebieten wo die Grundstücksmakler gerne frischen Baugrund gehabt hätten.
Über die Römer ließe sich noch viel erzählen, allerdings haben das so viele andere vor mir gemacht, dass ich lieber auf bessere Schriftsteller verweise (die römischen Zöllner haben es sogar bis in den Bestseller einer Weltreligion geschafft)

Die Römer hatten ein paar gute und viele schlechte Kaiser. Dennoch hat sich diese Imperatoridee bis ins 20te Jahrhundert gehalten. Einer dieser Anhänger des universellen Kaisertums war Karl V. Sein offizieller Titel lautete ungefähr so:
Römisch-deutscher König, Erwählter Römischer Kaiser, Mehrer des Reiches, König von Spanien, Sizilien, Jerusalem, der Balearen, der kanarischen und indianischen Inseln sowie des Festlandes jenseits des Ozeans, Erzherzog von Österreich, Herzog von Burgund, Brabant, Steier, Kärnten, Krain, Luxemburg, Limburg, Athen und Neopatria, Graf von Habsburg, Flandern, Tirol, in Schwaben, Herr in Asien und Afrika.
Die meisten dieser Titel hat er geerbt. Aber der "erwählte Kaiser"? Der wurde ihm von einer Familie Fugger gekauft, die ihm das nötige Bestechungsgeld verschaffte. Ich schätze sie hätten den Titel "Gläubiger des Verteidiger des Glaubens" für sich beanspruchen können.

Ein Bündnis von Handelsstädten war im Mittelalter die Hanse. Dass diese Organisation auch an kriegerischen Auseinandersetzungen beteiligt war kann man noch in deutschen Geschichtsbüchern finden.
Wenig findet man dort über eine andere beeindruckende Persönlichkeit, den niederländisch-belgisch-schwedischen Kanonenkönig Louis de Geer. Als während dem dreißigjährigen Krieg Schweden und Dänemark aneinander gerieten war das äußerst ungünstig für seine Handelsrouten, die doch durch den dänisch kontrollierten Sund führten. Da die Niederlande ihm bei diesem Problem nicht helfen wollten rüstete er kurzerhand selber eine Flotte aus mit der er dann die lästigen Dänen zu mehr Toleranz gegenüber schwedischen Handelsschiffen bewegen konnte.

Auch die Amerikaner haben neben Plantagen- und Sklavenbesitzern einige faszinierende Persönlichkeiten hervorgebracht. Eine davon: John Davison Rockefeller. Mit Fleiß und Verstand verdiente er innerhalb kurzer Zeit ein kleines Vermögen mit dem er schließlich ins Ölgeschäft einstieg. Sein gut geführtes Unternehmen zeigte den Amerikanern bald was 'Marktmacht' bedeutet. Bei der Verwirklichung seines Zieles alle Raffinerien und Ölpipelines unter seine Kontrolle zu bekommen wurden kleine Konkurrenten für 40% ihres Wertes gekauft. Seine Konkurrenten und Handelspartner waren gezwungen sich einige philosophische Fragen zu stellen: Was ist ein Liter Öl wert, wenn du niemanden hast der ihn dir zum Kunden transportiert? Was ist eine Raffinerie wert, wenn dein Konkurrent die gleiche Leistung für die Hälfte anbietet bis du pleite bist? Was ist dein Unternehmen wert, wenn du John Davison Rockefeller zum Gegner hast?

Um den vorher genannten kein Unrecht zu tun will ich natürlich nicht die positiven Taten unterschlagen: Das Vermächtnis der Fugger kann man in der Fuggerei in Augsburg bewundern, der Name "Rockefeller" ist in etlichen Stiftungen zu finden, die römische Oberschicht hat zumindest die Bürger der Stadt mit Brot&Spielen versorgt und durch die Waffen von Louis de Geer wurden sicher auch viele böse Menschen umgebracht.

Werbung gab es in früheren Zeiten etwas weniger. Zahlungskräftige Kunden auch. Womit ich mich dann auch wieder von der Vergangenheit ab- und meinem Leben zuwenden möchte.

19.8.08 07:32
 


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